ÓX Restaurant | Reykjavík, Island

Ein Abend im ÓX ist ein Erlebnis, das weit über kulinarischen Genuss hinausgeht. Neben köstlichem Essen erlebt man sprichwörtlich einen Abend in Omas Küche, denn das Herzstück des Gastraumes ist die Originalküche aus den 50er Jahren von Amma Don, der Großmutter von Chefkoch Thrainn Freyr Vigfusson.

Alle Blogposts, die ich zu meinem Island-Urlaub veröffentliche habe:

17 Gäste werden an einem Abend maximal bewirtet. Der Abend startet im „Wohnzimmer der Großmutter“: Alte Sessel, ein alter Röhrenfernseher, Bücher und Zierdeckchen aus den 50er und 60er Jahren schmücken den Raum in dem wir mit 5 anderen Gästen zusammen an einen alten Couchtisch gesetzt werden. Wir stellen uns vor und freuen uns auf die 20 Gänge, die uns heute erwarten.

Die Köche im ÓX beschreiben ihren Kochstil übrigens so: „Was wir tun? Einfach Dinge verkomplizieren, sodass sie besonders werden!“

Das Menü im ÓX vom 20. März 2026

01 Sodbraud (frittiertes Brot) + Feykir (Isländischer Hartkäse) + Guanciale

02 Karotte + Mysingur (isländischer Käse auf Molkebasis) + Topinambur

03 Hangkjöt (geräuchertes, isländisches Lammfleisch) + Laufabraud (Laubbrot) + Grüner Wacholder

Nach den ersten drei Gängen geht es in den Gastraum. Hier sitzen wir alle nebeneinander an einer langen Tafel in U-Form, die um die Küche herum gebaut ist. Die Köche finalisieren und richten alle Gerichte direkt vor unseren Augen an. Es ist großartig so nah dran zu sein. Jeder Gang wird erklärt, der Sommelier Johann gibt parallel Infos zu den Getränken. Es ist unglaublich unterhaltsam – eine wunderbare Choreografie mit leckerem output. Da die Köche so nah sind, kann ich sie natürlich auch alles fragen, was mir auf der Seele brennt. Tatsächlich waren das aber am Ende des Abends so viele Infos, dass ich fast alles vergessen habe und nicht ein einziges Gericht bzw. nicht mal eine Komponente nachkochen könnte.

Deshalb hier für Euch die Liste aller Gerichte und die Bilder zu den jeweiligen Gängen.

04 Rossini Kaviar + Dulse (Alge: Lappentang) + Jacobsmuscheln

05 Grüne Erdbeeren + Feigenblatt + Wasabi

06 Lachs + Tomaten + Rose

07 Jacobsmuschel + Liebstöckel + XO Sauce

08 Steckrübe + Skyr + Sauerteig

09 Wachtelei + Kartoffel + Gouda

10 Kabeljau + Vin jaune + Koji

11 Roggenbrot + Butter + Forelle

Das Roggenbrot ist etwas ganz Besonderes: Dieses Brot backen die Köche aus dem ÓX nicht selbst, sondern bekommen es von einem Mann geliefert, der etwas außerhalb von Reykjavík lebt und das Brot – ganz traditionell – in der eigenen heißen Quelle gart. Der Teig für das leicht süßliche Roggenbrot wird in einen Milchkarton gefüllt. Dann gründlich mit Alufolie umwickelt und für 24 Stunden in einer heißen Quelle im Garten versenkt. Das Wasser dort schwankt Temperaturtechnisch zwischen 80 und 100°C, d.h. das Brot wird gekocht. Durch die lange Garzeit karamellisiert sowohl der Zucker als auch der Milchzucker aus der Milch. Das Ergebnis ist ein Roggenbrot, das geschmacklich süßlich schmeckt. Dazu isst man gesalzene Butter – und zwar reichlich. Die Isländer lieben Butter. Als Faustregel gilt: Die Butter muss genauso dick sein, wie das Brot!

Das Witzigste an der Geschichte des Geothermal-Brotes, das auch Rugbraud, genannt wird, ist tatsächlich die Lieferung in die Stadt. In Island ist es üblich das örtliche Bussystem für Lieferungen zu nutzen. Kommt also ein Linienbus vorbei, gibt man einfach dem Busfahrer mit, was man transportieren möchte. Man selbst muss nicht mitfahren – das funktioniert übrigens auch mit Kindern. Ein kurzer Blick in den Bus, ein bekanntes Gesicht erkannt und diese Person wird dann spontan mit der Beaufsichtigung des eigenen Kindes betraut. Mit dem Roggenbrot läuft es ebenfalls so, nur, dass der Busfahrer instruiert wird. Den Köchen im ÓX schreibt er dann eine Nachricht mit welchem Bus, die Brote in der Stadt ankommen. Nach Aussage der Köche funktioniert das in der Regel gut, aber manchmal müssen sie dann auch Bushunting betreiben um den richtigen Bus zu finden.

12 Wachtel + Crowberry (Schwarze Krähenbeere) + Wirsing

13 Austernpilze + Wasabi Blätter + Senfkörner & 14 Ente + Timutpfeffer + schwarzer Knoblauch

Ganz witzig übrigens: Wasabi ist so ein Ding in Island – die Isländer lieben Wasabi, weil sie das selbst anbauen. Daher findet man in praktisch jedem Lokal irgendwas mit Wasabi auf der Karte.

15 Heidelbeeren + Skyr + Reis

16 Kryddkaka (Gewürzkuchen) + Toffee + Entenleber

17 Wasabi + Skyr + Mandeln & 18 Madeleine + Molke + Caramel & 19 Gerste + Omnom (Schokolade) + Meersalz & 20 Roggen + Miso + Schokolade

Die alkoholfreie Getränke-Begleitung vom 20. März 2026

01 Copenhagen Sparkling Tea, Lyseröd, Dänemark

02 Birne & Pinie, ÓX

03 Arensbak, effervescent, Dänemark

04 Kvass, Heu & Sellerie, ÓX

05 Vidie, Blaubeere & Lappentang Kombucha, Kopavogur, Island

06 Rentierflechte (Pilz) & Pilze, ÓX

07 Heidelbeer Cocktail, ÓX

08 Chardonnay & Gewürze, ÓX

09 Coffee, Juan F. Ocampo, Cattura Antioquia, Kolumbien

10 Hydrofugal Liköre, ÓX

Der Abend endet vorerst mit zwei Gastgeschenken: Ein Buttermesser, dass live vor Ort mit dem ÓX Brandzeichen versehen wird…

… und einem kleinen Schokoladenkuchen von Oma Kristjana bzw. Amma Don – Du erinnerst Dich: das war die Großmutter von Chefkoch Thrainn – dessen Rezept wir auch bekommen. Ich habe den Kuchen schon nachgebacken – hier gehts zum Blogpost Gewürzkuchen aus dem ÓX | Grandma Kristjana`s Cake

Und nun gehts weiter mit Drinks, denn nach dem Essen ist der Abend noch lange nicht vorbei. Wir können entweder im Gastraum bleiben oder wieder zurück ins Wohnzimmer und dort noch einige gute Drinks genießen.

Ein wunderbarer Abend, der mir noch lange im Gedächtnis bleibt.

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