Suzhou | China

Diese „kleine“ Stadt mit nur 5 (!!!) Millionen Einwohnern liegt etwas außerhalb von Shanghai, ca. 2,5 Auto-Stunden entfernt. Wir starten Samstag Morgen und bleiben über Nacht in Suzhou. Der Plan ist am Samstag das alte, traditionelle Suzhou zu erkunden und am Sonntag wandern zu gehen. Als wir ankommen entdecken wir, dass gerade Lotusblumenmarkt in Suzhou ist. Ein Spektakel. Die Lotusblumen blühen nur einmal im Jahr und das wird gefeiert. Auf dem Markt kauft man sich einen Blumenstrauß um sich mit den Blüten fotografieren zu lassen. Einige Chinesinnen lassen sich dafür sogar in entsprechenden Studios aufstylen: Make-Up, Haare und ein traditionelles Gewand. Damit laufen sie dann durch die Stadt und lassen sich mit den Blumen und an besonders fotogenen Spots ablichten.

Hier findest Du alle Artikel, die ich über meine Zeit in Shanghai geschrieben habe:

Tipp: Die Samen der Lotusblume kann man essen. Dazu drückt man diese aus dem Blütenstempel und entfernt die grüne Haut. Die Nüsse der Lotusblume schmecken ähnlich wie unreife bzw. frische Haselnüsse oder milde Cashewnüsse. Getrocknet kann man die Nüsse bei hiesigen Straßenhändlern oder Supermärkten kaufen.

In Suzhou gibt es eine bekannte und noch alte Straße, die wirklich sehenswert ist. Kleine weiße Häuser mit schwarzen Dächern. Die kleinen Geschäfte bieten Essen, Gebäck, Reiswein, Kunsthandwerk, Seidenklamotten, Tee und vieles mehr. Wir schlendern durch die Straße und ich kaufe eine Flasche Reiswein. Man kann hier die verschiedenen Sorten probieren und das gewünschte Produkt frisch abfüllen lassen.

Wir essen in einem traditionell chinesischen Restaurant in Suzhou zu Mittag. Besonders ist hier der gebackene Fisch, der mit einer süßlichen Sauce, ähnlich der süß-sauer-Soße serviert wird. Wir bestellen außerdem noch verschiedenes Gemüse, Suppendumplings, Fleisch, Tofu mit Krebsrogen, Aal und Suppe. Mir schmeckt alles sehr gut und dann spielt noch eine Musikerin zwei chinesische Volkslieder, begleitet auf der Pipa.

Mit dem Fahrrad machen wir uns aus den Weg zum Tempel. Tempel erkennt man in China übrigens immer an der gelben Farbe. Der Weg dorthin ist das eigentliche Abenteuer. Weil es fast 3 km sind, wollen wir nicht laufen, also mieten wir uns Räder. Mit meinem AliPay Account geht das leider nicht, aber meine Kollegen mieten das Fahrrad für mich. Und dann geht’s los – auf der Straße. Neben Autos, unzähligen Rollern und anderen Fahrrändern bahne ich mir meinen Weg. Es ist irre laut, ständig hupt jemand oder fährt links oder rechts vor, neben oder hinter mir vorbei – natürlich ohne zu blinken. Das wird in China überbewertet. Ich lasse mich einfach nicht beirren und fahre vor mich hin. Hinter mir passen die anderen Verkehrsteilnehmer auf, auf alles vor mir muss ich achten, vor allem wenn plötzlich jemand vor mir einschert und unvermittelt stehen bleibt.

Der Xiyuan-Tempel (Westlicher Garten-Tempel) selbst ist eine schöne Oase der Ruhe. In der Regel sind die Gärten um Tempel herum besonders schön angelegt. Die Menschen kommen auch hier her um zu beten. Am Eingang bekommt jeder 3 Räucherstäbchen, diese zündet man an und sobald sie rauchen, kann man mit ihnen einen Wunsch vor dem Tempel äußern. Dazu nimmt man die Stäbchen in beide Hände und verbeugt sich in alle vier Himmelsrichtungen jeweils 3 Mal. Natürlich wünsche ich mir auch etwas, was? Das bleibt mein Geheimnis.

Nach dem Xiyuan-Tempel geht es wieder zurück in die Stadt um kurz im Hotel einzuchecken. Danach machen wir uns auf den Weg zum Yunyan-Tempel (Tigerhügel-Pagode) oder wie ihn meine Kollegen nennen „Den schiefen Turm von China“. Diese Huqiu-Pagode ist wirklich eindrucksvoll und schon über 1000 Jahre alt. Das Areal drum herum ist wunderschön angelegt. Es gibt einige Chinessinen die voll gestylt hier Fotos machen. Das ist schon wirklich toll anzusehen.

Mein Name „Tina“ gemalt aus Bambus, Sonne, Vögeln, einem Drachen und Fischen

Nach dem Tigerhill fahren wir mit einer Art Tuk Tuk (so heißen sie in Thailand zumindest) zurück ins Zentrum – eine abenteuerliche Fahrt durch kleine Gässchen in denen sich die Gefährte an Rollern und Menschen vorbei drängen.

Wir wollen noch eine Bootsfahrt machen um Suzhou bei Nacht vom Wasser aus zu erleben. Wirklich wunderschön! Die kleinen beleuchteten Häuschen um uns herum, die bunten Laternen, die beleuchtete Brücken – einfach schön!

Danach gehen wir zusammen zum Abendessen in eine Mall. Hier trifft sich die Jungend um gemeinsam zu essen und wir bestellen die Karte einmal rauf und runter. Ich freue mich besonders auf die Edamame, die aber ganz hinterrücks zuschlagen: Sie sind so scharf, was ich aber erst nach einiger Zeit merke, weil sie mit reichlich Chili gekocht wurden. Alles total lecker aber auch irgendwie ohne Charme! Ich vermisse die kleinen, speizalisierten Garküchen, die ich mir in China vorgestellt hatte.

Weil wir so viel gelaufen sind gönnen wir uns noch eine Fußmassage. Das ist in China üblich. Man geht mit Freunden zusammen an einem Abend zur Massage. Unterhält sich oder daddelt am Handy, während man eine Stunde lang durchgeknetet wurde. So entspannend und die perfekte Vorbereitung für die Wanderung am nächsten Tag.

Frühstück im Hotel gibt es nicht, denn meine Kollegin Zhao Hong hat sich etwas viel besseres für mich überlegt und zeigt mir traditionelle gebratene Dumplings – das ist natürlich spannender als Hotelfrühstück. Alternativ gibt es noch Nudelsuppen – letzteres ist für mich zum Frühstück aber schon sehr ungewöhnlich und ich entscheide mich für zwei Sorten gebratene Dumplings aus der Pfanne mit Krabbenfleisch und Rogen und mit Shrimps.

Im Anschluss gehen wir zusammen in den Humble Administrator’s Garden. Eine wunderschöne Parkanlage aus der Shaoxing Periode (1131–1162) der Southern Song Dynastie. Der Garten ist Sonntag Vormittag gar nicht so überlaufen und so können wir den Spaziergang einfach genießen. Ganz besonders schön: Ich kann noch ein paar vereinzelte Lotusblumen im See, also in freier Wildbahn, entdecken.

Danach geht’s zum Flanieren durch die Altstadt von Suzhou und ich kaufe ein: Seidenblusen und Sonnenschutzkleidung. Letztere ist in China sehr beliebt. Helle Haut gilt hier als Schönheitsideal und so schützen sich die Chinesen nicht mit Sonnencreme sondern mit entsprechender Kleidung, die so leicht ist, dass man sie kaum am Körper spürt. Ich sehe auch immer wieder Chinesinnen mit Masken auf dem Gesicht – diese nutzen sie primär als Sonnenschutz! Bei dem schwülen Wetter in Suzhou macht das auch wirklich Sinn, denn Sonnencreme würde von der Haut schmelzen.

Für Seide ist Suzhou ebenfalls bekannt und so kaufe ich hier auch ein. Die Preise schwanken, je nach Qualität oder aufwendigen Mustern, die in den Seidenstoff eingewebt sind. Aber: Ab 100 RMB findet man hier schon wirklich hübsche, schlichte Blusen – umgerechnet ca. 12€.

Zum Lunch gehen wir Hot Pot essen. Total lecker! Es gibt verschiedenste Spieße, die man sich einfach selbst aus dem Kühlschrank nimmt. Am Tisch kommt dann eines nach dem anderen in die heiße Brühe: verschiedenes Gemüse, Fleisch, Fisch, Tofu, gestocktes Blut und Knorpel. Jeder hat ein kleines Schälchen mit einem selbst zusammengestellten Dip aus Knoblauch, Essig, Sojasauce, Chili und Sesamöl und verschiedenen Kräutern. In den selbst angerührten Dip dippt man das das Gegarte und isst. Knochen, Holzstäbchen bzw. alles, was man nicht isst, kommt einfach auf den Tisch. Bezahlt ist schon im Vorfeld, sobald man fertig ist steht man auf und geht.

So gut gestärkt machen wir uns auf den Weg zu unserer Wanderung.

Der Weg nach Oben ist gepflastert, weil es auch gleichzeitig ein Weg zu einem Tempel ist. Es ist hier so voll, wie wenn man an einem Wochenende den Hügel nach Neuschwanstein hochläuft. So viele Menschen. Und obwohl man in der Natur ist und die Ruhe genießen könnte, scheint das die Chinesen nicht zu interessieren. Viele laufen mit gesenktem Kopf nach oben, während sie Videos auf ihren Handys gucken. Oder sie lassen Musikvideos in voller Lautstärke laufen, sodass auch wirklich jeder zuhören kann. Ich finde das furchtbar und so gar nicht erholsam.

Oben angkeommen hat man einen irren Blick: Man schaut vom Wald direkt auf die Skyline einer Stadt. So etwas habe ich noch nie gesehen.

Der Weg nach unten wird abenteuerlich und verläuft über Stock und Stein. Ohne die gespannten Seile zum Abseilen, wäre das nicht machbar gewesen. Wo keine Seile gespannt sind, setzt ich mich oft auf den Hintern und rutsche. Der Weg ist wirklich herausfordernd aber es macht einen irren Spaß! Und das Beste: Der Weg ist sehr anspruchsvoll, weswegen hier wirklich wenig Menschen unterwegs sind. So habe ich doch noch Ruhe in der Natur. Unten angekommen geht es dann zurück zum Auto – der Wander-Rundweg führt nun noch ca. 4 km entlang einer Hauptstraße, das ist für mich wirklich seltsam!

Bevor wir wieder zurück fahren, gehen wir noch essen. Die Region um Suzhou ist bekannt für Lamm, also essen wir in einem Lokal Lamm und verschiedene andere Spezialitäten. Das Restaurant hat den Charme einer Bahnhofshalle: kühl, viel zu groß und ungemütlich. Das Essen ist aber sehr lecker. Wir bestellen zwei Varianten Lamm und verschiedenes Gemüse: Ich bin – wie immer – mal wieder total begeistert von den Blattgemüsen!

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