Hangzhou | China

Mit dem Hochgeschwindigkeitszug geht es an einem Samstag Nachmittag von Shanghai nach Hangzhou. Der Zug braucht nur eine Stunde, der Bahnhof an sich erinnert aber eher an einen Flughafen wegen der Sicherheitskontrollen, Gates und „Aufruf zum Boarding“. In Hangzhou ist das erste Ziel der West Lake, ein Areal, weswegen wohl die meisten nach Hangzhou kommen. Ein großer See, der umrangt ist von Tempeln, Pagoden und historischen Gebäuden. Besonders der Sonnenaufgang und -untergang sind spektakulär.

Hier findest Du alle Artikel, die ich über meine Zeit in Shanghai geschrieben habe:

Auf dem Weg vom Zentrum zum Westlake laufen wir zufällig an einem kleinen Imbiss vorbei an dem einige Michelin Plaketten hängen. Das schaue ich mir genauer an – seit 6 Jahren hat Xiao Lao Hun Tun eine Erwähnung im Michelin Führer und serviert Wonton Suppe und gebratene Dumplings. Wir probieren zwei verschieden gefüllte Wonton als Suppe und eine gebratene Variante. Einfach köstlich! Die Wonton werden frisch gefüllt – im Gastraum, denn in der Küche ist es dafür zu klein. Währenddessen versucht die quirlige Chefin mit uns ins Gespräch zu kommen, gar nicht einfach, wenn man nur 3 Worte Englisch spricht. Aber irgendwie klappt es dann doch. Wir sind begeistert vom Essen und sie freut sich einen Ast. Natürlich muss ich noch ein Foto mit ihr machen. Als wir vor dem Laden stehen und posieren, halten Passanten an und machen auch Fotos von uns – vermutlich denken diese, dass ich ein Promi bin und wollen sich die Chance eines Fotos nicht entgehen lassen. *lacht*

Wir steigen über den Tempelberg (Tempelhügel) hinauf um eine schöne Sicht über die Stadt zu bekommen. Und dabei entdecke ich viele Menschen, die hier oben an Tischen zusammen sitzen, Tee trinken und Karten spielen. Es ist eine friedliche Stimmung hier oben. Im Gegensatz zu anderen Tempeln, die ich bisher besucht habe ist hier fast nichts los und es wirkt ruhig und entspannt. Hier oben kann man wirklich viel Zeit verbringen und die Gegend erkunden. Noch ein Pluspunkt: Die vielen Bäume spenden den ganzen Tag über Schatten. Halte auf jeden Fall Ausschau nach den hübschen Bronzefiguren.

Dann erreichen wir den West Lake und müssen uns beeilen. Wir sehen durch die Bäumen nämlich, dass der rote Sonnenball nur noch knapp über den Bergen hängt und sich im Wasser spiegelt. Wir fangen an immer schneller zu laufen und erreichen das Wasser just in dem Moment wo die Sonne komplett hinter den Bergen verschwindet. Selten, war ich so enttäuscht.

Also, spazieren wir jetzt ein bisschen um den See, damit wir zur Leifeng Pagoda kommen, die vor allem im Dunklen toll über den Bäumen leuchtet.

Die Highlights am See sind schön beleuchtet und lohnen sich auch nach Sonnenuntergang. Der Rest des Geländes ist aber ehrlich gesagt nur bei Tageslicht interessant.

Ich streife am Abend noch durch die historische Stadt und fühle mich hier so viel wohler als in Shanghai. Hangzhou ist ruhiger und entspannter. Die Häuser sind kleiner – hier im traditionellen Teil. Eine schöne Atmosphäre. In der Fußgängerzone entdecke ich zwei interessante Dinge: Zwei Männer schlagen abwechselnd mit Holzhämmern auf eine Platte Krokant ein und rufen sich dabei immer zwei Kommandos zu, um im gleichen Takt zu schlagen. Aus dem Krokant wird eine beliebte Süßigkeit hergestellt: Dragon’s beard Candy – aus dem Zucker werden dünne Fäden gezogen und mit diesen süßen Fäden dann Nüsse wie z.B. Erdnüsse umwickelt. Ich kaufe die Süßigkeit und auch Krokant ein, allerdings ist mir die Dragon’s beard candy zu süß und zu trocken. Nicht mein Geschmack. Ganz grundsätzlich mag ich die chinesischen Desserts nicht, dafür halte ich mich an die vielen leckeren und reifen Früchte.

Danach entdecke ich einen Künstler, der auf der Straße Fächer bemalt. Mit einem riesigen Pinsel und schwarzer Tinte zaubert er filigrane Motive auf Papier. Ich bleibe etwas stehen, schaue ihm ein paar Minuten zu und kaufe dann eine Schriftrolle mit Kalligraphie.

Am Sonntag starten wir mit einem traditionellen Frühstück: Ein Wrap mit gebratenem Ei und Gemüse, außerdem kommt noch Chilipaste drauf. Lecker und ganz frisch gebacken!

Am Sonntag wollen wir wandern, die Natur genießen und das Longjing Tea Village besuchen: Berühmt für grünen Tee, der hier von Hand getrocknet und abgefüllt wird. Allerdings sind wir uns alle nicht sicher, ob man den wirklich besonders hochwertigen, handgetrockneten Tee hier kaufen kann, oder ob die Straße, die wir entlang laufen nicht doch nur eine Attraktion für Touristen ist. Daher kaufen wir hier nicht ein.

Wer Lust auf eine Erfrischung hat, kann das hiesige grüne Tee-Eis probieren, meinen Geschmack trifft es nicht wirklich, aber es sieht toll aus.

Der Wanderweg ist einfach gigantisch schön. Wir starten im Flachen über einen geteerten Weg durch den Wald. Links und rechts erheben sich Hügel mit Teepflanzen. Es ist wunderschön anzusehen und erinnert an Weinberge.

Zwischendurch müssen wir immer mal wieder kleine Flussbette überqueren. Dafür gibt es entweder erhabene Steine oder flache im Wasser liegende größere Steinen, bei denen man einfach aufpassen muss um nicht nass zu werden.

Wir erreichen nach ca. 5 km das Longjing Tea Village und machen einen kleinen Abstecher in den Tea Imperial Garden. Auch hier steht ein Tempel, den wir uns ansehen. Besonders schön: Hier sind kaum Menschen unterwegs und wir haben den Garten fast für uns alleine.

Der Weg durch den Wald und die Teefelder ist einfach herrlich schön.

Es geht weiter hinauf auf den Berg. Wir gehen den kurzen aber anstrengenden Weg direkt in der Sonne hinauf über gefühlt hunderte nie enden wollende Treppenstufen. Aber der Ausblick ist einfach gigantisch schön! Am Scheitelpunkt des Berges, an dem sich 3 Wanderrouten treffen, kann man sich mit frisch geschälten Gurken erfrischen. Ein Mann sitzt hier mit einer riesigen Kiste Gurken, die er selbst nach oben geschleppt hat, schält diese frisch und verkauft sie für 5 RMB pro Stück. Eine tolle Erfrischung!

Danach geht es wieder nach unten über wieder hunderte Treppenstufen (ca. 2 km lang) und das ist wirklich kein Spaß mehr! Meine Knie werden weich und meine Beine zittern. Ich habe zum Glück vorgesorgt und Kohlehydrate in Form von Bananen und Brot dabei – das hilft! Als ich die letzte Stufe nehme bin ich selig – und am restlichen Tag steige ich keine einzige Treppenstufe mehr: Ich hab genug vom Treppensteigen!

Was von diesem Tag bleibt ist die wirklich wunderschöne Aussicht über die Teeberge.

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